Denn betroffen ist meistens nicht der Zocker alleine, oft wird die ganze Familie ruiniert.
Bei dieser Faktenlage wundert es wenig, dass sich immer mehr Menschen dafür aussprechen, Glücksspielwerbung streng zu regulieren, wie zum Beispiel das Bündnis gegen Sportwetten-Werbung (BgSwW): Es setzt sich für die weitest gehende Einschränkung von Sportwetten-Werbung ein und fordert die beteiligten Institutionen im Sport zur Wahrnehmung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung und zur Stärkung von Forschung und Prävention auf. Das BgSwW ist ein auf Initiative von Fan-Organisationen im Fußball gegründetes Bündnis, das Institutionen und Einzelpersonen miteinander verbindet, die zur Thematik Sportwetten (und Glücksspiel allgemein) in der Präventionsarbeit, Forschung, Sucht- und Selbsthilfe tätig sind oder ein persönliches Interesse an der Unterstützung der Ziele des Bündnisses haben. Welche Personengruppe ist besonders anfällig ein Problem mit Sportwetten zu entwickeln? Das lässt sich recht eindeutig beantworten: Junge, männliche Mitglieder von Sportvereinen wetten im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung deutlich häufiger und sind auch anfälliger, ein risikoreiches Verhalten zu entwickeln. Das hängt vor allem damit zusammen, dass sie glauben, aufgrund ihrer Fußballkenntnisse einen Einfluss auf ihren Wetterfolg zu haben.
Oftmals weist diese Personengruppe zudem einen Migrationshintergrund auf. Wie hoch ist der Kompetenzanteil bei Sportwetten? Kann ich mein Fachwissen zu Geld machen? Sportaffine bzw. sportinteressierte junge Männer wetten besonders häufig.
Sie sind der festen Überzeugung, dass ihr Sportwissen (Verletzungsstatus, Trainingsstand, bisherige Leistung, Stand in der Tabelle, Heimvorteil etc.) ihnen hilft, richtige Wettentscheidungen zu treffen. Verschiedene Untersuchungen konnten inzwischen zeigen, dass dies eine Fehleinschätzung ist. Eine Kontrollgruppe aus Frauen, die mit Fußball nichts zu tun hatten, konnte gegen erfahrene Sportjournalisten ein Pari (im Minus) erreichen. Beide hatten die gleiche Summe Geld zur Verfügung. Die Sportjournalisten (Expertengruppe) erzielten die meisten richtigen Treffer und die Frauen (Laiengruppe) – mit ihren teilweise exotischen Außenseitertipps – einige höhere Gewinne. In anderen europäischen Ländern wie Spanien und Italien ist Werbung für Sportwetten deswegen bereits untersagt. Sein hessischer Innenminister-Kollege Peter Beuth (CDU), der u.a. dadurch bekannt ist, dass er häufig Gast bei Veranstaltungen und Feiern des Deutschen Sportwettenverbandes (DSWV) ist, hält von diesem Ansinnen nichts. Er hat die Forderung als großen Käse bezeichnet. Ganz anders die GRÜNEN-Bundestagsabgeordnete Linda Heitmann – die sich als Mitglied des Gesundheitsausschusses des Bundestages und langjährige Leiterin der Hamburger Landesstelle für Suchtfragen auch beruflich mit Glücksspielsucht gut auskennt. Sie hat die Bremer Pläne bereits Ende 2021 auf Twitter zustimmend kommentiert: Bremen will den Glücksspielstaatsvertrag nachbessern und Werbung für Online-Glücksspiel untersagen. Gut so, Suchthilfeverbände fordern das schon lange. Auch Philip Krämer – GRÜNEN-Politiker aus Hessen und Mitglied im Sportausschuss des Deutschen Bundestags – sieht Handlungsbedarf in Bezug auf eine stärkere Regulierung der Sportwetten. Gegenüber Merkur.de äußerte er sich im Januar 2022 wie folgt: Die Werbungen sind oftmals sehr martialisch, sollen also den Wunsch nach einem Wettkampf wecken oder suggerieren, dass man durch umfangreiches Wissen viel Geld gewinnen kann. Daher ist die Zunahme der Werbung für Sportwetten höchst problematisch und sollte von der Politik regulierend angegangen werden. Daniela Ludwig (CSU) – Drogenbeauftragte der Bundesregierung bis 2021 – hat sich in diesem Zusammenhang ebenfalls kritisch geäußert.
Nach wie vor ist Fußball die Sportart Nummer eins und hat eine unglaublich große Vorbildfunktion überall auf der Welt, gerade für Kinder und Jugendliche wäre es sicherlich der richtige Schritt, wenn hier in Deutschland Sportwettenanbieter nicht als Werbepartner oder Sponsoren fungieren. Ihr Nachfolger im Amt – Burkhard Blienert (SPD) – wendet sich generell gegen Werbung für potentielle Suchtmittel und schließt Glücksspiele dabei ein. Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte er, es sei erforderlich, die Werbemöglichkeiten für Alkohol und Tabak ganz deutlich zu beschränken: Auch die Werbung für Glücksspiel halte ich für unangebracht. [Hier liegt] die Verantwortung allerdings nicht beim Bund, sondern den Ländern. Quellen: Welt, Games und Business, Linda Heitmann @Twitter, Merkur, Süddeutsche Zeitung und Redaktionsnetzwerk Deutschland Gibt es einen Verein in der 1. Bundesliga, der keine Werbung für Sportwetten macht? Es gibt aktuell nur zwei Vereine in der 1. Bundesliga, die „nur“ für Lotto Werbung machen, nämlich der FC Augsburg und der SC Freiburg. Der Verein aus dem Breisgau hatte in der Vergangenheit aber auch schon Verträge mit Tipico, diese Partnerschaft dann aber bewusst nicht fortgesetzt.
Lotto Baden-Württemberg erweitert allerdings gerade sein Portfolio um virtuelle Automatenspiele, Casinospiele sollen folgen. Quellen: Homepage des SC Freiburg und Badische Zeitung Welche Vertreter des Sports haben schon Werbung für Sportwetten gemacht?
€ auf 464 Mio. € pro Jahr erhöht. Nordrhein-Westfalen hat z.B. für das Jahr 2022 einen Haushaltsansatz von 130 Mio. € für Einnahmen aus der Sportwettsteuer angesetzt.
Gibt es Funktionäre oder Trainer aus der Bundesliga, die sich kritisch zu Sportwettenwerbung geäußert haben? Es gibt bisher nur sehr wenige kritische Äußerungen von prominenten Vertretern der Bundesliga. Bekannt sind die Äußerungen von Kay Bernstein (Präsident von Hertha BSC) und von Christian Streich (Trainer SC Freiburg), die sich beide sehr deutlich positioniert haben. Kay Bernstein wurde im Juni 2022 im Interview mit t-online.de u.a. folgende Frage gestellt: Sie sprechen sich klar gegen die Zusammenarbeit mit Wettanbietern aus.
Kay Bernstein: Ich habe in meinem Umfeld gesehen, wie schnell junge Menschen in diese Falle tappen können. Früher war das anders, als du für jeden Schein in ein Büro ans andere Ende der Stadt fahren musstest. Das Wetten gab es zwar schon immer, aber in den letzten drei Jahren hat sich das nochmal geändert. Wir machen Sky, DAZN oder Amazon an und kommen an diesem Thema nicht vorbei. Mir geht es darum zu sagen: Brauchen wir dieses Geld? Es gibt eine ganze Reihe bekannter männlicher Fußballspieler und Trainer (Frauen sind uns nicht bekannt), die bereits Werbung für Sportwetten gemacht haben. Man denke z.B.
Das Ende vom Lied: Nach Abschluss der Saison hatten beide Gruppen in etwa gleich hohe Verluste. Eine israelische Studie mit drei Versuchsgruppen (Fußballfans, Glücksspieler*innen mit Sportwetterfahrung und Menschen, die weder Sportwissen noch Glücksspielerfahrung hatten) kam zu einem ähnlichen Resultat. Alle wetteten auf 16 Spiele der europäischen Champions League. Das Ergebnis war: Die Erfolgsquoten der drei Gruppen unterschieden sich nicht. Deutlicher als in diesen beiden Experimenten lässt sich die Überschätzung des „Fachwissens“ bei Sportwetten kaum nachweisen.
Wer etwas tiefer ins Thema einsteigen möchte, dem sei die Übersichtsarbeit von Kalke, Schmidt & Hayer empfohlen, in die insgesamt neun Tippstudien einbezogen wurden. Gelten für alle Glücksspiele die gleichen Werberegularien? Nein, der Gesetzgeber hat für Sportwetten zum Teil wesentlich lockerere Regelungen verabschiedet. So darf für Casinospiele wie z.B. Slots oder Poker nur zwischen 21 Uhr und 6 Uhr im TV und im Internet geworben werden.
Sogar in der Halbzeit von Bundesligaspielen werden Spots von Wettanbietern gesendet. Da hilft nur: Ton aus und Augen zu! Die Anbieter müssen von den Einsätzen ihrer Kund*innen mit deutschem Wohnsitz eine Wettsteuer in Höhe von 5,3 Prozent an das Finanzamt abführen. Die Steuer wird zentral vom Finanzamt Frankfurt/Main III eingezogen und nach dem Königsteiner Schlüssel vierteljährlich an die Bundesländer verteilt. Das Aufkommen aus dieser Steuer hat sich zwischen 2013 und 2019 von 189 Mio. an Thomas Häßler (Sky Bet), Lukas Podolski (XTiP), Lothar Matthäus (Interwetten, zuvor LeoVegas) oder Jürgen Klopp (BetVictor).
Wir sollten nicht die Fans in die Hände der Wettmafia jagen. Ähnlich Christian Streich, der in dem inzwischen legendären bet sportwetten seiten deutschland Interview mit der New York Times äußerte: Wenn ein Spiel im Fernsehen läuft und ein Werbespot für Glücksspiele erscheint, wird Schaden angerichtet. Die Werbung wird gezeigt, damit wir so viel Geld verdienen. Die Werbung sollte nicht da sein, denn die Kinder sehen sich das Spiel an, und da ist eine Werbung, die sie zum Wetten auffordert. Aber viele Leute werden krank, wenn sie wetten.
But lots of people get sick when they bet.) Gibt es in Deutschland Politiker*innen, die sich kritisch zu Werbung für Sportwetten geäußert haben? Ja, zum Glück gibt es über alle Parteien hinweg einige wenige Personen, die sich auf die Schattenseiten dieses Geschäfts beziehen und sich für strengere Regulierungen einsetzen. Der bekannteste Vertreter ist der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), der sich bereits mehrfach öffentlichkeitswirksam für ein Verbot von Sportwetten-Werbung ausgesprochen hat. Im Juni 2022 formulierte er es in einem Interview mit der WELT so: Massive Werbung ist das Vehikel, um neue Kunden unter den Nichtspielern zu werben, vornehmlich junge, sportaffine, fußballinteressierte Männer, denen man suggeriert, Wetten gehöre einfach zum Fußballspiel dazu. Und die heimliche Botschaft dahinter lautet: Wenn ihr euch mit Fußball auskennt, dann könnt ihr auch wetten. Die prominenteste Werbefigur der Sportwetten Branche ist nach wie vor Oliver Kahn, der viele Jahre Werbung für Tipico gemacht hat und in den Spots für die Aussage steht: Ihre Wette in sicheren Händen. Das prominenteste Beispiel für Vereine ist der FC Bayern München, der gemeinsam mit seinem Werbepartner Tipico viele Spots veröffentlicht hat, die inzwischen sogar während der Sportschau gezeigt werden.
| Emotion | Wie erzeugt? | Typisches Werbemittel | Beispiel-Szenario |
|---|---|---|---|
| Spannung & Vorfreude | Countdowns, Nahaufnahmen von Sportlern | TV-Spot vor Spielbeginn | Fan schaut gespannt auf Handy, kurz vor Anpfiff |
| Gemeinschaftsgefühl | Gruppen von Freunden beim Public Viewing | Social-Media-Video | Freunde feieren gemeinsam ein Tor und ihren Tipp |
| Kompetenz & Kontrolle | Darstellung von Analyse-Tools in der App | Erklärvideo auf YouTube | Nutzer studiert Statistiken vor der Wettabgabe |
| Freude über Gewinn | Übertriebene, aber glaubwürdige Freudenreaktionen | Kurzspot für Online-Video | Person springt jubelnd vom Sofa bei spätem Siegtor |