Und man verspricht sich mehr Schutz vor Spielsucht.
Dennoch erwartet Schopf, dass sich untere Instanzen daran orientieren könnten – auch das OLG Stuttgart nimmt im Urteil mehrfach Bezug auf den BGH-Beschluss. So setzen die Gerichte immer neue Signale; Tausende Kläger bundesweit hoffen. HFS gibt sich als David, der die Sportwetten-Goliaths ins Straucheln bringt. Die Kanzlei vertritt nach eigenen Angaben mehrere hundert Mandanten, die fast alle spielsüchtig seien – getrieben von Anbietern, die mehr als zehn Jahre fast unkontrolliert von Behörden das Milliardengeschäft gemacht hätten. Tipico sieht sich mittlerweile „federführend an der Weiterentwicklung der Spielerschutzstandards im deutschen Markt beteiligt“.
In den letzten Wochen der abgelaufenen Bundesligasaison habe man als erster Anbieter seine Werbezeit für eine entsprechende Schutzinitiative eingesetzt. Betroffene Die Landesstelle für Suchtfragen geht allein in Baden-Württemberg von 46 000 Menschen mit Sportwett-Problemen aus – tangiert sind vor allem Männer von 21 bis 35 Jahren beziehungsweise mit Migrationsgeschichte. Die Betroffenheit sei in Sportclubs besonders hoch – weil vermeintliches Fachwissen zum Wetten verlockt. Verfügbarkeit Die ständige Verfügbarkeit durch digitale Sportwetten würden ein hohes Suchtpotenzial bergen. Die Forschung zeige, dass von den Sportwettern ein Viertel leichte Glücksspielstörungen aufweisen, zwölf Prozent eine mittelschwere Störung und elf Prozent eine schwere Störung entwickelt haben.
Live-Wetten Die höchste Suchtgefahr geht Fachleuten zufolge von sogenannten Live-Sportwetten aus. Gewettet wird auf ein Sportereignis weit über den Fußball hinaus während seines Verlaufs. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Es kann auf Tore oder Torschützen, Halbzeitstände und einiges mehr gewettet werden. Der Schwarzmarkt soll weiß werden, und Graubereiche soll es bald nicht mehr geben. Sportwetten und Online-Casinospiele sollen von Juli 2021 an weitgehend legal werden in Deutschland. Eine zentrale Behörde der Länder soll den Markt überwachen. Sie soll sicherstellen, dass jeder Nutzer maximal 1000 Euro im Monat über alle Anbieter hinweg einzahlen kann.
| Schritt | Prozess | Rechtliche / Technische Umsetzung | Spielerschutz-Aspekt |
|---|---|---|---|
| 1. Registrierung | Kontoeröffnung mit Identitätsprüfung | Videoident oder PostIdent, Altersverifikation (18+) | Zugang nur für Volljährige, OASIS-Abfrage |
| 2. Einzahlung | Geldeinzahlung auf Spielerkonto | Verschiedene Zahlungsmittel (EC, PayPal, etc.) | Hinweis auf Einzahlungslimit, keine Kreditkarte |
| 3. Wettabgabe | Auswahl von Event, Wettart & Einsatz | Nur auf lizenzierte Sportevents, klare Quoten | Anzeige von geschätztem Gewinn & Verlust |
| 4. Abwicklung | Abschluss der Wette, Überwachung des Events | Manipulationssicherheit, klare Ergebnisermittlung | Keine Änderung der Wette nach Abgabe |
| 5. Gewinnauszahlung | Gutschrift auf Spielerkonto, Auszahlung | Automatische Gutschrift, Auszahlung auf Herkunftskonto | Verhinderung von Geldwäsche (Kontenklarheit) |
Buchmacher sollen verpflichtet werden, alle Daten und Wetten ihrer Kunden der Behörde zu melden. In Rundfunk und Internet soll zwischen 6 und 23 Uhr die Werbung für Live-Wetten verboten werden, die obendrein eingeschränkt und für manipulationsanfällige Sportarten wie Tennis abgeschafft werden könnten. Die Reaktionen auf den Gesetzesentwurf sind unterschiedlich.
Mit den Millionen der Wettanbieter bezahlen sie horrende Transfersummen und hoch dotierte Spielerverträge. Oder das Geld wandert in den eigenen Geldbeutel. Der ehemalige Welttorhüter Oliver Kahn, der inzwischen im Vorstand des FC Bayern sitzt, wirbt für Tipico mit dem Slogan: "Ihre Wette in sicheren Händen." Mit dem sogenannten "Glücksspielneuregulierungsstaatsvertrag", der am 1. Juli 2021 in Kraft treten soll, unternehmen die Bundesländer nun einen weiteren Versuch, die kaum zu überblickende Branche zu reglementieren. Die Steuereinnahmen der Länder durch die private Wettbranche - im Jahr 2018 betrugen sie 382 Millionen Euro - sollen durch die Legalisierung steigen. Diplompsychologe Tobias Hayer, der an der Uni Bremen über Spielsucht forscht, sagt: "Mit der Öffnung des Online-Marktes werden neue Spielanreize und damit letztlich auch neue Suchtgefahren geschaffen." Dem Deutschen Sportwettenverband geht die Öffnung nicht weit genug.
| Rechtsgrundlage | Zuständige Behörde | Regelungsziel | Wesentliche Vorgabe |
|---|---|---|---|
| Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) | Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) | Kanalisierung auf legale Anbieter | Vermittlung von Sportwetten nur mit Lizenz |
| Rennwett- und Lotteriegesetz (RWLG) | Landesbehörden (z.B. Darmstadt) | Konkrete Lizenzvergabe | Prüfung der Zuverlässigkeit des Antragstellers |
| Interstate Treaty on Gambling 2021 | GGL & Landesbehörden | Spielerschutz & Suchtprävention | Einrichtung von Sperrsystemen (OASIS) |
Man befürchtet, durch das Verbot mancher Live-Wetten Kunden an den Schwarzmarkt zu verlieren.
In diesem Klima expandieren Anbieter wie der deutsche Marktführer Tipico immer weiter. Die Unternehmensgruppe mit Sitz in Malta und Tochtergesellschaften in Karlsruhe hat allein in Deutschland 1200 lokale Franchise-Wettstuben. Umsatz- und Gewinnzahlen teilt das Unternehmen auf Nachfrage nicht mit. Dem Handelsregister von Malta zufolge bet seriose wettanbieter ohne deutsche lizenz hat Tipico seinen Umsatz zwischen 2010 und 2017 aber mehr als vervierfacht. Sein Gewinn vor Steuern belief sich im Jahr 2017 auf 133 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 713 Millionen.
Anfang 2016 ist der luxemburgische Finanzinvestor CVC mit 60 Prozent in das Unternehmen eingestiegen. Möglich werden solche Erträge, weil es sich mit den Wetten ähnlich verhält wie mit dem Leistungssport: Es geht immer schneller, höher, weiter. Auf den ungezählten Online-Plattformen werden täglich Zehntausende Wetten in Dutzenden Sportarten angeboten, man kann auf Fußballspiele der dritten Liga in Polen, Basketballspiele in Australien oder E-Sport-Videospiele in Südkorea setzen. Das Tippen auf Sieg, Unentschieden oder Niederlage, wie man es noch von Toto-Scheinen kennt, ist längst nicht mehr alles. In sogenannten Live-Wetten kann man heute während des Spiels tippen, welche Fußballmannschaft den nächsten Einwurf bekommt oder welcher Tennisspieler den nächsten Satz gewinnt.
Zutreffende Wettergebnisse lassen sich noch vor Ablauf des Sportereignisses gegen geringere Quoten verkaufen. So kann man sich Gewinne innerhalb von Sekunden sichern. Das alles bietet mehr Action, aber auch deutlich mehr Risiko und Suchtpotenzial. In Deutschland finden die Wettfirmen offenbar immer mehr Kunden, wie die jährlich steigenden Einsätze belegen. Geld und Sportbegeisterung hierzulande sind reichlich vorhanden - aber auch die anderen Rahmenbedingungen scheinen zu stimmen. "Das neue Regelwerk schafft Klarheit und gleiche Regeln für alle", freut sich Tipico-Chef Baca. Was die Spielsucht angeht, verweist das Unternehmen auf "umfangreiche Informations- und Präventionsangebote für Kunden" sowie "Hilfsangebote" auf seiner Website.
Experten gehen von einer halben Million Menschen mit problematischem oder pathologischem Spielverhalten aus. Als besonders riskant gelten virtuelle Automatenspiele und Online-Casinospiele wie Roulette. Sportwetten aber haben laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ebenfalls einen relativ hohen Anteil an problematischem Spielverhalten. Ein Suchtpotenzial, aus dem Wettanbieter letztlich Kapital schlagen. Formell sind Sportwetten in Deutschland, abgesehen vom staatlichen Angebot Oddset, immer noch nicht erlaubt - vom Staat aber werden sie weitgehend geduldet.
Alle Versuche der Länder, den Schwarzmarkt über Lizenzierungsverfahren zu regeln, sind gescheitert, nicht zuletzt an einem Urteilsspruch des Europäischen Gerichtshofs. Die Sportwettanbieter verweisen indes auf ihre in Malta, Gibraltar oder Isle of Man erworbenen Lizenzen, die es ihnen erlaubten, Wetten innerhalb der Europäischen Union anzubieten. Sie sehen sich hierzulande in der Rolle des Vermittlers: Wer in Deutschland zu Tipico geht und eine Wette abgibt, der platziert sie offiziell auf Malta. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg wächst auch der Einfluss der Sportwettbranche auf den Profisport. 16 von 18 Bundesligisten bet live wetten ergebnisse haben Sportwetten-Anbieter als Sponsoren.
Tipico beispielsweise ist seit 2018 offizieller Partner der deutschen Bundesliga und 2. Schon seit Jahren ist das Unternehmen Namensgeber der österreichischen Fußball-Bundesliga und "Platinpartner" des FC Bayern. Ein anderer großer Player ist bwin mit Sitz in Gibraltar, jahrelang Trikotsponsor von Real Madrid. Anfang 2019 hat das Unternehmen eine groß angelegte Partnerschaft mit dem Deutschen Fußballbund (DFB) abgeschlossen. Dass fast alle Wettanbieter auf ihren Seiten bislang illegale Casinospiele anbieten, scheint Vereine und Funktionäre nicht weiter zu stören. Die allerdings muss man ein bisschen suchen.
Der Online-Glücksspielanbieter Tipico musste an den Landgerichten Bielefeld, Saarbrücken und Ingolstadt drei heftige Niederlagen einstecken.
| Aufgabenbereich | Konkrete Tätigkeit | Ziel | Befugnis |
|---|---|---|---|
| Marktüberwachung | Kontrolle lizenzierter Anbieter (z.B. Tipico) | Einhaltung des GlüStV sicherstellen | Prüfungen, Auflagen, Bußgelder |
| Bekämpfung illegaler Angebote | Identifikation & Sperrung von Webseiten | Kanalisierung auf legale Märkte | ISP-Sperrverfügungen, Geldflussunterbrechung |
| Betrieb des OASIS-Sperrsystems | Verwaltung der zentralen Sperrdatei | Konsumentenschutz & Spielsuchtprävention | Datenabgleich mit allen lizenzierten Anbietern |
| Verbraucherbeschwerden | Entgegennahme & Bearbeitung von Beschwerden | Schlichtung zwischen Spieler & Anbieter | Empfehlungen aussprechen, Öffentlichkeitsarbeit |
Die drei Gerichte entschieden, dass die Mandanten von CLLB Rechtsanwälte Anspruch auf die Rückzahlung ihrer Verluste haben, da Tipico nicht über die in Deutschland notwendige Lizenz verfügte und die abgeschlossenen Verträge daher nichtig sind. In dem Verfahren vor dem LG Bielefeld kann der Spieler die Rückzahlung seiner Verluste in Höhe von rund 864.000 Euro verlangen.
Darauf haben sich die Bundesländer nach jahrelangen Verhandlungen verständigt. "Die Einigung ist eine gute Nachricht", verkündete Tipico-Chef Joachim Baca. Und es ist keineswegs so, als hätte die Branche sonst nichts zu feiern. Schon seit Langem laufen ihre Geschäfte vorzüglich. Die Sportwettbranche erlebt einen nie dagewesenen Boom.
Die Wettanbieter, die größtenteils in Steueroasen wie Malta, Isle of Man oder Gibraltar sitzen, erwirtschaften jedes Jahr neue Rekordsummen. Nach Angaben der Bundesländer haben sich die Spieleinsätze bei den Sportwettanbietern in Deutschland zwischen 2013 und 2018 von 4,1 Milliarden auf 8,1 Milliarden Euro beinahe verdoppelt. Im Jahr 2019 kletterten die Wetteinsätze der Deutschen nach Auskunft von Goldmedia erstmals auf fast 9,3 Milliarden Euro. Dieses Hoch kam wohlgemerkt in einem Jahr zustande, in dem keine Olympischen Spiele und keine Welt- oder Europameisterschaft im Fußball stattfanden. Der rasante Aufstieg der Sportwettbranche ist schon jetzt unübersehbar.
Ihre Werbung ist in Stadien und bei Fernsehübertragungen omnipräsent. Stationäre Wettbuden finden sich an jeder zweiten Ecke in deutschen Städten. Vielen Kommunen ist das inzwischen zu viel. Sie sorgen sich um ihr Erscheinungsbild und wollen verhindern, dass sich immer mehr Wettbüros ansiedeln. Die Münchner Gemeinde Unterhaching streitet sich deswegen vor Gericht. Online-Glücksspiele, zu denen auch Online-Sportwetten zählen, waren in Deutschland gemäß Glücksspielstaatsvertrag in der Fassung von 2012 bis zum 30.
Juni 2021 grundsätzlich verboten. Für Online-Sportwetten konnten die Veranstalter allerdings schon zuvor eine Lizenz beantragen. als Veranstalterin der Online-Sportwetten hat eine solche Genehmigung am 9.
Oktober 2020 erhalten. „Vor diesem Datum lag jedoch keine Erlaubnis für das Veranstalten von Online-Sportwetten in Deutschland vor. Das bedeutet, dass die abgeschlossenen Verträge wegen Verstoßes gegen das Verbot aus dem Glücksspielstaatsvertrag nichtig sind und die Spieler ihre Verluste zurückverlangen können“, sagt Rechtsanwalt Steffen Liebl, CLLB Rechtsanwälte.